10 Darin besteht die Liebe — nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und seinen Sohn gesandt hat als Sühnopfer für unsere Sünden.
11 Geliebte, wenn Gott uns so geliebt hat, so sind auch wir es schuldig, einander zu lieben. (1. Joh 4:10-11, Schlachter)
5 so setzt eben deshalb allen Eifer daran und reicht in eurem Glauben die Tugend dar, in der Tugend aber die Erkenntnis,
6 in der Erkenntnis aber die Selbstbeherrschung, in der Selbstbeherrschung aber das standhafte Ausharren, im standhaften Ausharren aber die Gottesfurcht,
7 in der Gottesfurcht aber die Bruderliebe, in der Bruderliebe aber die Liebe. (2. Petr 1:6-7, Schlachter)
7 Wer Gott liebt, wird auch seine Brüder und Schwestern lieben, und schließlich werden alle Menschen diese Liebe zu spüren bekommen.
8 Wenn all das euer Leben zunehmend bestimmt, wird euer Glaube nicht leer und wirkungslos bleiben, sondern ihr werdet unseren Herrn Jesus Christus immer besser kennen lernen.
9 Wer aber sein Leben nicht davon prägen lässt, der tappt wie ein Blinder im Dunkeln, denn er hat vergessen, dass er von seiner Schuld befreit wurde.(2. Petr 1:7-9, HFA)
Antwort:
Die rechte Liebe muß erst aus der natürlichen Kaltsinnigkeit geboren worden.
Warum muß gerade der, der dich am nächsten angeht, dir nach deiner Gemütsart ganz zuwider werden, da du es im Leiblichen und im Geistlichen doch so gut mit ihm meinst, immer nur nachgibst und dich aller Liebe befleißigt?
Antwort:
Damit dein innerer Grimm erregt werde und du dich ganz anders als lieblich erkennst. Wenn du also im Licht der Wahrheit das Verhalten deines Nächsten um deinetwillen als vom Herrn selbst kommend annimmst, dann erst wird er dir von Herzen und anhaltend lieb und wert, weil er deine Seligkeit mit fördert. So wird dir jeder nach seiner Art zu diesem Zweck dienen müssen, so daß du sie alle gleich ansiehst.
Laß dich nur in den mannigfachen Geisteswegen hin und her lenken, so bist du schon im Stand der Vollkommenheit!
Man kann diesen Stand in nichts Gewisses setzen. Es sind daher die beiden zuerst beschriebenen Tugendarten in Christus, nämlich die Gelassenheit und die Liebe, nur als ein Anfang oder als ein Kennzeichen zu betrachten. Man muß manchmal in einer rauhen Art gegen jemand dahingehen und einen inneren Grimm ohne Unruhe des Gewissens dabei empfinden, doch mit einigem Leiden bei sich und heimlichen Mitleid über den anderen. Man muß scharf und schnell sein, ja sich dem äußeren Anschein nach unchristlich verhalten. Andererseits muß man in jedem Augenblick zu jedem Dienst bereit sein, selbst bei Verlust eines wirklichen geistlichen Genusses. Man muß allerlei Schaden als Gewinn achten und ist dabei wie ein Vogel an nichts gebunden. Man lernt Gehorsam gegen ein Kind wie gegen den Herrn.
„Wer will die unendlich vielen Geheimnisse des Sinnes Christi aussprechen, die sein Geist allein aufschließt?“
Merke endlich (zum lauteren Verständnis der Schrift), daß man in solchem Stand eigentlich nicht willenlos und nicht ohne Sünde ist.
Der Herr führt es so, daß deine eigenen Triebe schnell und gerade herausschießen, und wenn du ihm anhängst, dann lenkt er sie gleichsam mitten im Lauf auf den richtigen Weg, was von außen oft ganz verkehrt erscheint. Du bist zwar frei von Vorsätzen, von heimlichen Begierden außer Gott, von Selbstgeschäftigkeiten im Guten und dergleichen, aber deine Freiheit oder Selbstbewegungsquelle ist nicht verstopft, sondern erweist sich als fertig, gerade und einfältig gemäß deinem ganzen Menschenbild und trifft jedesmal den guten und wohlgefälligen (wenn nicht vollkommenen) Willen Gottes, weil sie in Gott gefaßt ist.
Daß du aber ohne Fehler und Sünde wärest, kannst du bei dir nicht finden; denn nicht nur bist du selber in deinem Herzen eben der Sünder, der dir in jedem deiner Nächsten begegnet, sondern du mußt täglich noch genauer gestaltet werden, um des reinsten Willens Gottes und des Sinnes Christi teilhaftig zu werden, was allezeit mittels eines Durchbruchs aus einer gewissen Finsternis in ein neues Licht geschieht.
(Johann Ludwig Fricker, 1729-1766, aus: „Weisheit im Staube“, Zeugnisse der Schwabenväter)
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