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"Wer sagt, dass er in ihm bleibt,..."

6 Wer sagt, dass er in ihm bleibt, der ist verpflichtet, auch selbst so zu wandeln, wie jener gewandelt ist. (1. Joh 2:6, Schlachter)

Wer sagt, daß er in Jesus Christus bleibe, der ist schuldig so zu wandeln, wie er gewandelt hat.

„Wie leicht wird eine Rebe vom Weinstock abgerissen!“

Daher muß Christi Sinn und Geist in uns gepflanzt und zu einem Umlauf der Gedanken, der Begierden und Enpfindungen des neuen Menschen gemacht werden. Ohne dies ist die Heiligung Gesetzlichkeit, eignes Werk und falsche Gerechtigkeit.

Im Stand der Rechtfertigung heißt man ein Gerechter um der Versöhnung Christi willen und dient aus Antrieb seines Geistes der Gerechtigkeit und Heiligkeit Gottes.
Dieser unvollkommene Fleiß wird um des Opfers und Geistes Christi willen, die für Gott darin verborgen sind, als ein Opfer Gottes angesehen, weil man sich dabei nicht auf sich selbst verläßt. Das ist ein Gewinn, den ein gerades Herz bei vieler Schwachheit empfängt.

Damit aber die Heiligung kein eignes Menschenwerk sei, muß man bei allen Menschen die Hilfe des Logos (des ewigen Worts) oder den inneren Anreiz der himmlischen Weisheit zur Tugend voraussetzen, die schon jetzt mit dem Frieden des Gewissens belohnt, wenn sie ihr folgen wollen.

Nun ist das ewige Wort Fleisch geworden und hat in der menschlichen Hülle Gottes Sinn und Willen gelernt, geübt und vollkommen ausgeübt. Auch hat es für die Menschen den Geist des Glaubens und Gehorsams durch eine Geburt aus dem Tod ins unvergängliche Leben wirklich hervorgebracht.

David sagt in Psalm 51:8 „Du hast Lust zur Wahrheit, die im Verborgenen liegt“. Gottes Wohlgefallen an einer reinen menschlichen Tugend erweckt im Innern des Menschen ein gleiches Wohlgefallen. Man empfängt es nun aus dem deutlichen Vorbild Christi. So ist es eine Geburt aus Gott im Geist oder in einen erhabenen Sinn hinein und damit ein Ruf zur Herrlichkeit.

(Johann Ludwig Fricker, 1729-1766, aus: „Weisheit im Staube“, Zeugnisse der Schwabenväter)


Verfasst: 08.07.2026, 11:08 Uhr
Editiert: 08.07.2026, 11:14 Uhr

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