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Wer einem zu Christus hilft, …

Wir sind Gehilfen eurer Freude. Auf Freude geht das ganze Evangelium und Christentum. Die Vernunft urteilt hierüber gar anders. Indessen ist es doch Wahrheit:
Es gibt gewiß sonst nirgends wahre Freude; nur wo Gottes Gemeinschaft ist, da ist Freude.

„Vor dir ist Freude und liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich“

Das christliche Leben hat schon eine wirkliche, nicht erst zukünftige oder gar eingebildete Freude. Wer eingeladen wird, der wird zur Freude eingeladen. Was habe ich bisher von dieser Stätte aus anders getan, als euch zur Gemeinschaft des Evangeliums eingeladen? Heißt das nicht, ein Gehilfe eurer Freude zu sein?

„Wer einem zu Christus hilft, der hilft einem zur Freude.“

Deshalb ihr heiligen Brüder, die ihr mitberufen seid durch die himmlische Berufung, nehmt wahr des Apostels und Hohenpriesters, den wir bekennen, Christus Jesus (Hebr 3:1)

Die Berufung ist eine Berufung vom Himmel; denn Christus ist der Herr vom Himmel, der uns als der große Apostel seines Vaters berufen hat. Denn dazu ist er gekommen, daß er uns in den Himmel bringe.

Wozu wir berufen sind:

Wozu? - Nicht zu einer Beschwerlichkeit, Schaden, Plage, Pein und Verdruß; denn es ist ein Himmelreich, das mit einer Hochzeit verglichen wird, die unter menschlichen Verhältnissen sowohl etwas Fröhliches, Erwünschtes als auch etwas Allgemeines ist.

Bei Hohen und Niedrigen finden Hochzeiten statt. Wir werden also zur „Gnade“ gerufen, die allgemein ist. Es ist himmliche, königliche Gnade, zu der wir berufen werden. Christus zeigte zwar äußerlich in den Tagen seines Fleisches meistens keine Herrlichkeit; aber seine Herrlichkeit war dennoch verborgen da. Ihre Verborgenheit ist in ein Zeichen ihrer Vortrefflichkeit. Je mehr also das Leben und die Gnade, zu der wir berufen sind, in Gott verborgen ist, desto größer muß ihr Wert und ihre Vortrefflichkeit sein. Je kostbarer ein Schatz ist, desto sorgfältiger verbirgt man ihn.
...
Unwissende haben eine tolle Freude. Sie nehmen sich etwas so einen Tag (der Freude) vor: ein halbes Jahr freut man sich darauf, und ein halbes Jahr redet man davon. Dies nehmen die Menschen im Selbstbetrug oder, was noch schrecklicher ist, gar als Höhepunkt hin; aber die göttliche Traurigkeit hat schon mehr Freude als alle Weltlust; denn sie stimmt mit dem Willen Gottes überein. Was muß es dann um die Erquickung sein, wenn alle Tränen abgewischt werden, um den Genuß der Güter seines Hauses und um die Wonne, die wie ein Strom ist ( Ps 36)!
Ergreife darum das ewige Erbe, diese gute Gnade, wozu du jetzt berufen bist!

(Johann Albrecht Bengel, 1687-1752, „Du Wort des Vaters rede du“)

8 Wie köstlich ist deine Gnade, o Gott, dass Menschenkinder Zuflucht finden unter dem Schatten deiner Flügel!
9 Sie laben sich an den reichen Gütern deines Hauses, mit dem Strom deiner Wonne tränkst du sie.
10 Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht schauen wir das Licht.
(Ps 36: 8-10, Schlachter)


Verfasst: 20.09.2026, 10:27 Uhr
Editiert: 20.09.2026, 10:36 Uhr

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