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"Es ist eine ganz andere Sache, in der Schule Jesu zu lernen"

Es ist eine ganz andere Sache, in der Schule Jesu zu lernen als in den Schulen menschlicher Wissenschaften. Die richterliche Weisheit der Rechte ist eine Kunst wie das Rechnen und die Musik; man kann sie nach den Kunstgesetzen lernen, und wenn eine Sache einmal in Kunstgesetzen gebracht ist, dann kann der einfachste Laie sie so gut lernen, als er seine Handarbeit gelernt hat.
Glas machen ist eine kunstreiche Sache; aber wer lernt es nicht auf der Glashütte?
Aber weil Gott die Schrift in keinen wissenschaftlichen Zusammenhang nach Regeln gefaßt hat, ist es von der Kunst himmelweit unterschienden, wenn eine Seele zur Seligkeit weise gemacht wird (Sacharja 4,6).

6 Da antwortete er und sprach zu mir: Das ist das Wort des HERRN an Serubbabel: Nicht durch Macht und nicht durch Kraft, sondern durch meinen Geist!, spricht der HERR der Heerscharen. (Sach 4:6, Schlachter)

Der im Himmel wohnt, lacht ihrer, und der Herr spottet derer, die mit Kunst (regeln) Seelen gewinnen wollen, ja, Satan lacht und spottet ihrer auch.
Er weiß, das keine Kunst und Weisheit in solchen Sachen gilt, und doch bläst Satan den Menschen nichts so süß ein als dies, daß man Kunst (regeln) oder mit Werken die Seelen Weisheit lehren könne. Darum kann er leiden, daß man selbst auch über der Schrift Tag und Nacht arbeitet, um die Gnade darin in Kunstgesetze zu bringen. Ich kann davon zeugen, weiß daher zum voraus, wie wenig dieser mein Vorschlag austrägt; doch ist ja auch das Gesetz gut, wenn jemand es recht gebraucht.

Eine Gemeine *, die vom heiligen Geist berufen und mit innerlichen und äußerlichen Anstalten der Gnade versehen ist, weiß allein das Geheimnis des Gesetzes und des Evangeliums zu rechter Zeit und am rechten Ort anzubringen.
Bücher sind ein langsames und gleichsam totes Ding, wenn nicht eine lebendige Unterweisung vorausgegangen ist. Die Schrift allein hat vor allen Büchern ein anderes Privilegium. „Prüfet meinen Sinn!“

Eine Stimme aus dem Leben hören, ist zwar besser als lesen; doch wenn man jenes nicht hat, dann muß man lesen. Wer im Gebet und in der Buße von dem Vater zu Christus gezogen worden ist und aus der Gnade gelernt hat, was Sünde, was Gerechtigkeit Christi, was Gericht heißt, dem trägt alle Schrift etwas dazu bei, daß er ein ganzer und völliger Gottesmensch werde, der zu allen guten Werken ausgerüstet ist. …

(Friedrich Christoph Oetinger 1702-1782, „ Die Weisheit auf der Gasse“, Zeugnisse der Schwabenväter)

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(*) Im christlichen Kontext des 18. Jahrhunderts bedeutet das Wort „Gemeine“ schlicht und ergreifend „Gemeinde“
Es handelt sich dabei um die damals völlig normale, gleichberechtigte Schreib- und Sprechweise ohne das heutige „d“. Das Wort leitet sich vom mittelhochdeutschen Begriff für „gemeinsam“ ab.

Obwohl der Begriff in der allgemeinen Sprache später durch „Gemeinde“ abgelöst wurde, hat er im religiösen Kontext – insbesondere durch den Pietismus – eine tiefere historische und theologische Bedeutung behalten.


Die theologische Bedeutung im 18. Jahrhundert

Während die lutherische Landeskirche unter „Gemeinde“ oft die rein geografische Verwaltungseinheit oder die gesamte Einwohnerschaft eines Ortes verstand, stand „Gemeine“ im 18. Jahrhundert (vor allem in pietistischen Kreisen) für ein bestimmtes Ideal:

Gemeinschaft der Gläubigen:
Es beschrieb eine bewusste, geschwisterliche Lebens- und Glaubensgemeinschaft, die auf Augenhöhe („brüderisch“) miteinander umging.

Abgrenzung zur Amtskirche: Man verstand sich oft als die „Gemeinschaft der wahren Herzens-Christen“ innerhalb oder abseits der großen, oft als starr empfundenen Staatskirchen.

Berühmtestes Beispiel: Die Herrnhuter Brüdergemeine

Die bekannteste Verbindung zu diesem Begriff, die bis heute überdauert hat, ist die Herrnhuter Brüdergemeine

- Gegründet 1722 unter Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf in der Oberlausitz.

- Die Glaubensflüchtlinge wollten bewusst einfach und geschwisterlich leben.

- Aus dieser Zeit des 18. Jahrhunderts konservierte die evangelische Freikirche die alte Schreibweise Brüdergemeine (ohne „d“) als festen Eigennamen bis in die Gegenwart.

Wenn Sie in einem Text aus dem 18. Jahrhundert über die „Gemeine“ lesen, ist damit die Gemeinschaft der Gläubigen vor Ort gemeint. Der Begriff transportiert den Geist einer engen, gelebten, christlichen Geschwisterlichkeit.

[www.]


Verfasst: 23.08.2026, 07:56 Uhr
Editiert: 23.08.2026, 08:08 Uhr

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