Aus jenem allem zieht der Sensus commuis den Schluß, daß die der Eitelkeit unterworfene Kreatur nirgends zum Ziel gelangen könne, wenn nicht Gott von oben her mit seiner Gnade, die so vielen Übeln das Gleichgewicht zu halten vermag, dazwischen treten will.
Der Mensch forscht nun nach, ob sich nicht unter den ihm ähnlichen Menschen Heilige und vom Bösen nicht Verunreinigte befinden.
Er sieht da, daß bei einigen der Sinn für einen Heiligen und dessen Hochschätzung so groß ist, daß sich wohl jemand dem Tod unterziehen möchte, um jenen für das öffentliche Wohl zu retten.
6 Denn Christus ist, als wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben.
7 Nun stirbt kaum jemand für einen Gerechten; für einen Wohltäter entschließt sich vielleicht jemand zu sterben. (Rö 5:6-7, Schlachter)
Er schließt nun und hofft von der Güte Gottes, daß Gott entweder irgendwo unter den Menschen einen solchen schon habe auftreten lassen oder gewiß noch werde auftreten lassen. Unterdessen müsse er so viele Übel ertragen, damit er gedemütigt und vom Irdischen zum Himmlischen hingezogen werde.
In der Tat wird ein solcher Mensch, welcher überall das Beste von der göttlichen Offenbarung hofft, erneut von einem Verlangen entzündet, daß er durch die sinnbildliche Sprache der Weisheit aus dem ganzen Universum über jenen Heiligen vergewissert werde, dessen Heiligkeit so groß und weit ist, daß sie auf andere überfließen kann. So wird er denn, wenn ihm diese Zuversicht durch öffentliche Urkunden bekräftigt wird, ohne viele Mühe gewiß werden, daß Gott schon gegeben hat, was er sucht, daß er einem Volk über den wahrhaft Heiligen die Offenbarung gegeben hat und daß der König der Wahrheit unter den Juden erschienen ist.
Daher wird er, falls er unter den Heiden lebt, nach der Weise der Magier den Himmel, die Erde und das Meer ins Auge fassen, ob sie ihm etwa gewisse Vorzeichen jenes ganz guten Heiligen darbieten. Er glaubt, ja, daß das ganze Universum auf emblematische Art mit unzählig vielen harmonischen Anzeichen auf jenen Einen hinzielt.
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(Friedrich Christoph Oetinger 1702-1782, „ Die Weisheit auf der Gasse“, Zeugnisse der Schwabenväter)
Kommentare zu diesem Blogeintrag
Wahrnehmung
Warum führen die Wege zwischen den Geschlechtern von Mann und Frau nur selten zu harmonischen, göttlichen Zweisamkeit?
Die Sehnsucht nach einer harmonischen, fast göttlichen Zweisamkeit ist tief im Menschen verwurzelt. Dass Beziehungen diesen Idealzustand selten dauerhaft erreichen, liegt an einer Mischung aus psychologischen, biologischen und gesellschaftlichen Dynamiken.
- Unerfüllte Kindheitsbedürfnisse: Partner werden oft unbewusst ausgewählt, um alte Wunden der Kindheit zu heilen, was zu Enttäuschungen führt.
- Die Last der Projektion: Das Gegenüber wird nicht als realer Mensch gesehen, sondern als Leinwand für eigene Wünsche und Ideale.
- Angst vor Verwundbarkeit: Wahre Intimität erfordert absolute Offenheit, was oft Verlust- oder Bindungsängste triggert. [www.]
"Kommunikative Missverständnisse"
- Verschiedene Sprachwelten: Männer kommunizieren häufig lösungsorientiert (Berichts-Stil), Frauen oft beziehungsorientiert (Beziehungs-Stil).
- Unspoken Expectations: Erwartungen werden selten klar ausgesprochen, sondern als "selbstverständlich" vorausgesetzt.
- Abwehrmechanismen: Bei Konflikten verfallen Paare schnell in destruktive Muster wie Kritik, Verachtung oder Mauern.
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"Der Druck der modernen Gesellschaft"
- Die Illusion der unendlichen Auswahl: Dating-Apps suggerieren, dass an der nächsten Ecke ein noch "besserer" oder "perfekterer" Partner wartet.
- Überforderung des Partners: Der moderne Partner soll heute Geliebter, bester Freund, Karriere-Coach und Elternteil zugleich sein.
- Konsum-Mentalität: Beziehungen werden oft wie Konsumgüter behandelt – bei den ersten Mängeln wird getauscht statt repariert.
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"Die falsche Definition von "Göttlichkeit"
- Harmonie-Mythos: Wahre Verbundenheit wächst meistens nicht durch dauerhafte Konfliktfreiheit, sondern durch das gemeinsame Meistern von Krisen.
- Mangel an Selbstliebe: Wer versucht, die eigene innere Leere durch einen anderen Menschen zu füllen, wird in eine emotionale Abhängigkeit geraten.
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