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"Das wunderbare Licht Jesu Christi"

Niemand als Gott kann das Herz des Menschen in moralischer Beziehung, wie es nämlich voll Anmaßung und wieder voll Verzweiflung ist, geschweige denn in physischer oder gar metaphysischer Hinsicht erforschen.
Hinweg darum mit jenen Lehrern der Menschheit, denen ihre eigne Kraft über Gott geht (Habakuk 1).

2 Wie lange, o HERR, rufe ich [schon], ohne dass du hörst! Ich schreie zu dir [wegen des] Unrechts, und du hilfst nicht.
3 Warum lässt du mich Bosheit sehen und schaust dem Unheil zu? Bedrückung und Gewalttat werden vor meinen Augen begangen; es entsteht Streit, und Zank erhebt sich.
4 Darum wird das Gesetz kraftlos, und das Recht bricht nicht mehr durch; denn der Gottlose bedrängt den Gerechten von allen Seiten; darum kommt das Urteil verkehrt heraus!
(Habakuk 1:2-4, Schlachter)

Halten wir nur daran fest, daß wir ein zweifaches Ich in uns tragen (Rö 7), daß in unserem Innersten Verderbnis herrscht, daß das psychikon (das seelische Leben) verdammlich ist, wenn es nicht durch das pneumatikon (das geistliche Leben) erhoben wird, dessen Quelle und Ursprung Christus ist und sein wird!

Laßt uns erkennen, wie weit die Grenzen unserer Einsicht reichen!

5 Denn als wir im Fleisch waren, da wirkten in unseren Gliedern die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz sind, um dem Tod Frucht zu bringen.
6 Jetzt aber sind wir vom Gesetz frei geworden, da wir dem gestorben sind, worin wir festgehalten wurden, sodass wir im neuen Wesen des Geistes dienen und nicht im alten Wesen des Buchstabens
. (Rö 7:5-6, Schlachter)

Wir wollen an dem, was die Schrift lehrt, festhalten mit der Furcht, ihm Menschliches beizumischen. Wir wollen uns hüten, jene Bruchstücke, die uns der Sinn des Wortes an die Hand gibt, sofort in ein System und in gewagte Parallelismen (Vergleichungen) zusammenzustellen. Wir müssen uns von der Welt im ganzen wie im einzelnen abwenden.

„So ihr denn nun abgestorben seid mit Christus den Satzungen der Welt, was laßt ihr euch denn fangen mit Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt?“(Kol 2:20)

Es ist gewiß etwas Großes, durch die beständig fortgehende Zucht des Heiligen Geistes unterwiesen zu werden. Wie weit aber soll man hierin voranschreiten?
Wir sollen dies so weit tun, bis uns die Anordnungen Gottes und die Testamente der Verheißungen nach keiner Seite hin mehr fremd sind.

Das wunderbare Licht Jesu Christi wird uns mehr geben, als tausend Bücher hierüber enthalten. Wenn unser Herz in der rechten Verfassung ist, dann ist es der Sitz des Geistes, und von ihm kommt in den Systemen alle Wahrheit.

(Friedrich Christoph Oetinger 1702-1782, „ Die Weisheit auf der Gasse“, Zeugnisse der Schwabenväter)


Verfasst: 25.05.2026, 09:47 Uhr
Editiert: 25.05.2026, 09:48 Uhr

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