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"Arten von Versicherung der göttlichen Gnade"

Es gibt zwei verschiedene Arten von Versicherung der göttlichen Gnade.
Wie Paulus, der doch von Jugend auf im ganzen Gesetz Gottes fleißig und getreulich unterwiesen worden war, von sich in gewissem Sinn sagen konnte: „Ich lebte in etwa ohne Gesetz“ (Rö 7:9),

9 Ich lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, wurde die Sünde lebendig, (Luther)

so kann jeder, der zum vollen und gewissen Gnadenlicht kommt, auch sagen: „Obwohl mir die Gnade immer nahe war, so lebte ich doch je wie ein Mensch ohne alle Gnade. Sie war vor meinen Augen verdeckt, und ich war mir selbst überlassen. Seit dieser oder jener Zeit hat mich aber die Gnade mächtig ergriffen, so daß ich nicht anders konnte, als die Sünde und dergleichen hassen.“

Das ist die erste Versicherung der göttlichen Gnade und seines Standes oder Ganges in ihr.
Die zweite Art der Versicherung der göttlichen Gnade besteht in einem ziemlichen Grad der Erleuchtung, so daß man durch den Geist Christi das Zeugnis hat, daß man Christi Sinn und Geist besitze (1.Joh).

16 Der Geist selbst gibt Zeugnis zusammen mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind. (Rö 8:16, Schlachter)

Im Anfang hängt die Versicherung der Gnade überhaupt von der ganzen Umkehr des Lebens und Wandels eines Menschen ab, hernach aber viel mehr von der inneren Erkenntnis Christi.

Es ist gut, wenn man glauben darf, daß man nicht mehr der alte, feindselige, lüsterne und hoffärtige Mensch mit seinen wilden Ausbrüchen ist: wenn man aber lernt, genauer auf sein Herz zu merken, dann findet man im Verfeinerten, unter der Decke einer philosophischen oder christlichen Moralität eben das Alte wieder. Dabei lernt man die Versöhnung in Christus und die geistliche Art der Gerechtigkeit kennen. Da wir man auf eine über die Vernunft hinausgehende Weise erst seines Gnadenstandes gewiß.
…
(Johann Ludwig Fricker, 1729-1766, aus: „Weisheit im Staube“, Zeugnisse der Schwabenväter)


Verfasst: 26.07.2026, 07:49 Uhr
Editiert: 26.07.2026, 07:57 Uhr

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