Wenn man sich innerhalb des Christentums etwas vertieft und in die versteckten Nischen hineinschaut, dann könnte man zum Beispiel auf Merkwürdigkeiten stoßen, wie etwa die Kynokephale. What? Kynokephale?
Und damit willkommen in einem neunen Blogbeitrag, wo es um Kuriositäten geht, die zwar nicht besonders relevant, dafür aber ziemlich spannend sind. Genau das Richtige für einen entspannten Sonntag.
Wie immer bei solchen Themengebieten gibt es verschiedene Betrachtungswinkel und dementsprechende Wertung und Zuordnungen. So möchte auch ich mir mal ein paar Gedankengänge zu der Thematik "Kynokephale" machen.
Was sind Kynokephale?
Kynokephale sind Wesen, die als Menschen mit einem Hundekopf beschrieben werden. In der damaligen Zeit lebten sie abseits der Gesellschaft, jedoch ganz normal unter den Menschen. Man sagt, dass sie aus Äthiopien stammen und sich von dort aus verbreitet haben. Sie betrieben Landwirtschaft, Fischerei und Handel.
Obwohl sie nicht sprechen konnten, waren sie intelligent und zeichneten sich in der Regel durch Friedfertigkeit aus. Zudem galten sie als besonders religiös und gottesfürchtig. Ihre Kleidung bestand aus verarbeitetem Leder und Fell, und ihr Verhalten ähnelte dem normaler Menschen – abgesehen von ihrem auffälligen Hundekopf.
Was sich wie eine Legende oder ein altertümliches Märchen anhört, könnte in Wirklichkeit tatsächlich existiert haben. Besonders bemerkenswert ist, dass die Kynokephale, menschenähnliche Wesen mit Hundeköpfen in nahezu allen Kulturen der Erde vorkommen. Ihre Beschreibung und Verhaltensweisen sind, abgesehen von minimalen Unterschieden, durchweg konsistent.
Ktesias von Knidos, ein griechischer Arzt und Geschichtsschreiber des späten 5. und frühen 4. Jahrhunderts v. Chr., war der Erste, der ausführlich über die Kynokephale berichtete. Dabei stützte er sich auf persische und indische Quellen, wo dieses Volk mit Hundeköpfen bereits um 740 v. Chr. bekannt war.
Der Mönch Paulus Diaconus (725–800) schrieb den Kynokephalen auch negative, animalische Eigenschaften zu. Im Gegensatz dazu vertrat Augustinus von Hippo (354–430) die Ansicht, dass es sich um besondere Menschen, aber wohl Nachkommen Adams, handeln könnte.
Der Heilige Mercurius von Cäsarea soll die Kynokephale im Rahmen der Missionierung zum Christentum bewegt haben. Hier könnte eine Verbindung zu dem Heiligen Christophorus bestehen, der damals in der orthodoxen Kirche ikonographisch mit einem Hundekopf dargestellt wurde.
Kynokephale sind in der katholischen und orthodoxen Kirche allgemein bekannt, werden jedoch nicht mit Vampiren oder Werwölfen gleichgesetzt. Vielmehr werden sie als eigenständige Volksgruppe und spezielle Glaubensgemeinschaft verstanden. Dies erklärt, warum in der Kunst häufig Priester zusammen mit Kynokephalen abgebildet werden und sie auch in Kirchen dargestellt sind.
Es besteht wohl auch keine Verwandtschaft zu den Acephalen (Blemmyes), den kopflosen Menschen aus Äthiopien, die als eigenständige Gruppe betrachtet werden. Diese Akzeptanz zeigt sich auch in der Darstellung von Gottheiten Ägyptens wie Upuaut oder Anubis, die mit Schakalköpfen abgebildet werden und ebenfalls nicht in Verbindung mit den Kynokephalen stehen. Zumindest aus christlicher Sicht.
Obwohl die Bibel selbst keine Hinweise auf das Volk der Kynokephale enthält, finden sich tatsächlich Erwähnungen im Talmud und in der christlichen Apokryphe des dritten Buches des Baruch. Dort werden sie im zweiten Himmel als menschenähnlich beschrieben.
3. Baruch 3,3-5 Dort zeigte er mir auch eine Ebene, die voll von Menschen war, und diese glichen Hunden und hatten Hirschfüße. Da fragte ich den Engel: Ich bitt dich, Herr: Sag mir, was das für Leute sind! Er sprach: Die sind’s, die zu dem Turmbau rieten. Die Leute, die du siehst, sie trieben einstens eine große Menge, Mann und Weib, hinaus zum Ziegelstreichen. Darunter war ein ziegelstreichend Weib, das in der Stunde des Gebärens nicht hinweggehen durfte, und so gebar es, ziegelstreichend. Sie trug ihr Kind in einem Linnentuch und mußte weiter Ziegel streichen.
Talmud, Sanhedrin 97a Die Weisheit der Gelehrten wird schwinden, und sündenfürchtige Menschen werden verachtet werden. Und das Gesicht dieser Generation wird in seiner Unverschämtheit und Schamlosigkeit dem Gesicht eines Hundes gleichen.
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