Du sollst deinem Herren Dienen... Seien wir doch mal ehrlich, wenn man nicht total die Kontrolle über sein Leben verloren hat und noch klar bei Verstand ist, dann klingt dieser auffordernde Satz doch ziemlich demotivierend, oder? Woran liegt das? Liegt es vielleicht an unserem freiheitlichen Ego?
Der Satz „Du sollst deinem Herren dienen“ wird oft so interpretiert, dass man selbst als niedrigere Entität gilt und daher verpflichtet ist, den Höherstehenden zu dienen. Viele Menschen verbinden diesen Begriff sofort mit dem Bild eines Dieners, der von seinem Meister schikaniert wird, oder sogar mit der Sklaverei. Diese negative Konnotation des „Dienens“ ist nicht überraschend.
Ich will nun in diesem Blogbeitrag versuchen, die Betrachtung des Dienens aus einer anderen Perspektive aufzuzeigen. Die Intention liegt auf der Hand, denn auch ich habe mich dabei erwischt, dass ich mit der negativ konnotierten Vorstellung des Dienens erhebliche Probleme hatte. - Vielleicht gelingt es mir ja mit diesem Beitrag, das der eine oder andere, der auch mit der Thematik struggelt, einen anderen Blickwinkel einzunehmen.
Römer 6,16 Wisst ihr nicht: Wenn ihr euch als Sklaven zum Gehorsam verpflichtet, dann seid ihr Sklaven dessen, dem ihr gehorchen müsst; ihr seid entweder Sklaven der Sünde, die zum Tod führt, oder des Gehorsams, der zur Gerechtigkeit führt.
Puh ... Aber okay, betrachten wir mal die verschiedenen Ebenen, denn die unterschiedlichen Beziehungen und Positionen spielen auf Römer 6,16 bezogen durchaus eine Rolle.
Im weltlichen Kontext bietet das Dienen tatsächlich auch Möglichkeiten. Hier kann der Dienende als Befehlsempfänger die Position wechseln und selbst zum Befehlshaber aufsteigen. Man bezieht sich also auf das klassische Bild von Gehorchen und Befehlen in wechselseitiger Position. Betrachtet man das Dienen jedoch im Kontext eines allmächtigen Gottes, wird klar, dass ein Rollenwechsel hier nicht möglich ist, denn wir können niemals wie Gott sein, selbst wenn wir es bis in sein Himmelreich schaffen sollten.
Gemäß der mittelalterlichen Theologie hätte das bedeutet, das wir Gott machtlos ausgeliefert sind und uns nur übrig bleibt, ihm für immer und ewig zu dienen. Alternativ stünden uns die ewige Höllenqual oder, wenn Gott gnädig ist, die Auslöschung bevor. Gruselige Vorstellung, was so manch mittelalterliche Geschwister da geglaubt haben.
Aber auch heute ist es durchaus nachvollziehbar, dass nun besonders jene frustriert sind, die bereits zu Lebzeiten stets in untergeordneten Positionen leben mussten, weil sie das Glück reicher oder einflussreicher Menschen nicht hatten. Ihr Lebensentwurf wurde quasi verwehrt.
Doch spiegelt der Begriff „Dienen“ wirklich das wieder, was wir umgangssprachlich hineininterpretieren? Was bedeutet „Dienen“ aus der Perspektive Gottes?
Lukas 4,8 Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen.
Jesus antwortet in dieser Passage allerdings dem Teufel, der ihn verführen wollte. Es ist jedoch anzunehmen, dass mit seiner Aussage alle Lebewesen der Schöpfung gemeint sind.
Josua 24,15 Wenn es euch aber nicht gefällt, dem HERRN zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem HERRN dienen.
Eine Sache ist klar: Gott hat einen Willen und einen Plan. Er wollte keine willenlosen Marionetten oder Roboter, die gehorsam und unkritisch jeden Befehl und Anweisung befolgen und ihm mit gesenktem Kopf anbeten. Wäre das sein Wunsch und Wille gewesen, hätte er es leicht umsetzen können. Stattdessen erschuf er den Menschen nach seinem Bild, einen Menschen, der widerspricht, selbstbewusst ist, ein starkes Ego hat und seine Wünsche und Bedürfnisse klar artikulieren kann. Gott hat frei denkende Menschen geschaffen, die mit ihrem Willen entscheiden können, ob sie ihm folgen oder sich gegen ihn stellen.
Jesus Sirach 17,5 Willensfreiheit und Sprache und Augen, Ohren und ein Herz zum Denken gab er ihnen; verständige Einsicht verlieh er ihnen reichlich und lehrte sie Gutes und Böses unterscheiden.
Galater 5,13 Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder und Schwestern. Nur nehmt die Freiheit nicht zum Vorwand für das Fleisch, sondern dient einander in Liebe!
Wenn wir das verstehen, drängt sich die Frage auf, warum Gott möchte, dass wir seine Diener werden. Ein Diener mit freiem Willen, der aus Furcht seinen Dienst verrichtet, das wirft doch ein eher trauriges Licht auf Gottes Wesen und Natur. Oder? Vielleicht meint Gott mit „dienen“ etwas anderes, nämlich „dienlich“ zu sein. Ein kleiner aber feiner Unterschied.
Beispiel:
Eine Testperson in einem Labor für Verhaltensweisen kann ebenfalls dienlich sein, denn sie trägt dazu bei, neue Erkenntnisse zu gewinnen. Möglicherweise hat Gott Freude daran, zu beobachten, wie seine Schöpfung aus der Freiheit, die sie hat, ihren eigenen Weg findet. Diese Vorstellung ist jedenfalls nachvollziehbarer als die von willenlosen Marionetten, von denen Gott bereits weiß, was sie tun werden.
1.Mose 2,19 Gott, der HERR, formte aus dem Erdboden alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels und führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte sein Name sein.
Gott beobachtet die Menschen offensichtlich gerne und ist gespannt, wie sie ihren freien Willen nutzen. In seiner Allmacht könnte er zwar im Voraus wissen, wie sich jeder Einzelne entscheidet, doch dies tut er nicht. Theologisch betrachtet spricht man in diesem Zusammenhang vom theologischen Kompatibilismus, der sowohl Elemente des theologischen Determinismus als auch des Libertarismus umfasst.
Dienen kann auch Freude bereiten. Denken wir an Freundschaftsdienste, bei denen man sich gerne gegenseitig hilft und danach das gute Gefühl hat, etwas Wertvolles getan zu haben. Diese Art des Dienens steht in starkem Gegensatz zu der Vorstellung von einem erniedrigten Sklaven. Es geht eher darum, aus Freude dienlich zu sein, nicht aus Frustration und Furcht.
Jesus Sirach 6,14 Ein treuer Freund ist ein starker Schutz, wer ihn findet, hat einen Schatz gefunden.
Als aufrichtige Christen sollten wir uns, denke ich, keine Sorgen machen, leidvolle Sklaven zu werden, die jeden Tag nach dem Aufstehen vor Gott auf die Knie fallen und seine Anforderungen Tag für Tag erfüllen müssen. Die Bibel lehrt so etwas nicht und auch sonst ist es sehr viel wahrscheinlicher, dass wir im Himmel mit neuen Erfahrungen und Situationen konfrontiert werden und Gott mit großem Interesse beobachtet, was wir tun. Gott möchte in Gemeinschaft mit uns freien Menschen leben, denn das bereitet ihm Freude, das war sein Schöpfungswille.
Es ist wichtig zu verstehen, dass der Reifungsprozess für uns im Himmelreich nicht abgeschlossen ist. Im Gegenteil, wir werden weiterhin geistig wachsen und neue Erkenntnisse gewinnen. Gott ist ewig und dynamisch, und die Schöpfung umfasst weit mehr, als wir uns derzeit vorstellen können. Daher sollten wir dem Wort Gottes vertrauen.
Wenn Gott gut ist, behandelt er uns nicht unterwürfig, sondern respektiert unsere Würde und lässt uns als freie Menschen in seiner Nähe leben. Es gehört zu den grundlegendsten Eigenschaften des Menschen, die Freiheit und Selbstbestimmung zu schätzen, um sich weiterzuentwickeln. Eine durch Zwang hervorgerufene Selbstoptimierung ist keine echte Selbstoptimierung, sondern lediglich Fremdoptimierung. Dieser entscheidende Unterschied spielt eine wesentliche Rolle in Gottes Schöpfung. Es ist unwahrscheinlich, dass Gott, wenn wir gerettet werden, dieses Element der Schöpfung wieder entfernt. Hätte er das gewollt, hätte er von Anfang an willenlose Robotwesen erschaffen können, die ihm willenlos dienen. Stattdessen möchte Gott, dass wir ihm dienlich sind. Noch positiver ausgedrückt: Er lädt uns ein, ihm behilflich zu sein. „Behilflich sein“ klingt doch schon ganz anders als „zwanghaft dienen“.
In der Sprache besteht ein klarer Unterschied zwischen dem negativ konnotierten „Dienen“ und dem positiv bewerteten „Dienlich“ sein.
Dienen: Der Begriff „dienen“ kann in verschiedenen Zusammenhängen verwendet werden. Traditionell kann er eine Beziehung implizieren, in der eine Person eine untergeordnete Rolle gegenüber einer anderen einnimmt. Das kann in bestimmten Kontexten Unterwürfigkeit oder Verpflichtungen bedeuten, wie in der Vorstellung von einem Diener oder einer Dienerin. In diesem Sinne könnte der Begriff negativ konnotiert sein, da er an Machtgefälle und Hierarchien erinnert.
Dienlich: Der Begriff „dienlich“ hat eine positive Konnotation. Hier steht der Aspekt der freiwilligen Hilfsbereitschaft und Unterstützung im Vordergrund. „Dienlich“ beschreibt eine Haltung oder eine Handlung, die jemandem nützlich ist. Es impliziert eine aktive Hilfeleistung ohne die negativen Untertöne, die mit „Dienen“ verbunden sein könnten. Man behält in der Dienlichkeit seine Würde in dem nicht zur Unterwürfigkeit gezwungen wird.
1.Chronik 28,9 Du aber, mein Sohn Salomo, erkenne den Gott deines Vaters; diene ihm mit ungeteiltem Herzen und williger Seele; denn der HERR erforscht alle Herzen und kennt jedes Sinnen der Gedanken. Wenn du ihn suchst, lässt er sich von dir finden. Wenn du ihn aber verlässt, verwirft er dich auf ewig.
Wie wir Gott „dienlich“ sein können, erfahren wir beispielsweise in der Bibel.
• Die Nächstenliebe anwenden
• Liebe und Positivität verbreiten
• Das Evangelium verkünden
• Missionierungsarbeit tätigen
• Lehrtätigkeit und Forschung ausüben
• Das Wirken Gottes in uns zulassen
• Fähigkeiten sinnvoll nutzen
• Allgemein ein Vorbild sein
• Schwächeren helfen
• Den Kontakt zu Gott halten
Dies sind nur einige Beispiele, wie wir Gott dienen können.
Eine grundlegende Erkenntnis lautet: Versuche, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wenn du aus irgendwelchen Gründen nichts Positives beitragen kannst, dann bemühe dich wenigstens, keinen Schaden anzurichten. Denn auch das ist eine Form des Guten. Handle wortgetreu der Schrift.
Das Wort "Dienen" kann also durchaus zu Missverständnissen führen. Gott zu dienen bedeutet nicht qualvolle Unterwerfung, Sklaverei oder Entwürdigung. Vielmehr geht es um einen Dienst, eine freiwillige Hilfsbereitschaft, die wir aus Liebe zu Gott leisten. Dabei ist es uns natürlich auch erlaubt, Freude und Spaß in unserem Dienen zu empfinden, dieses wird sogar erwünscht.
Matthäus 11,29-30 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.
1.Timotheus 2,4 Er will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.
Mir hatte diese Erkenntnis geholfen, ein besseres Verständnis zu bekommen, was mit dienen / dienlich sein gemeint ist. Vielleicht auch euch.
Lieben Gruß und Gottes Segen
Verfasst: 04.08.2025, 20:26 Uhr