Seid gegrüßt, liebe Brüder und Schwestern. In diesem Blogbeitrag möchte ich mich mit dem Thema „Fegefeuer“ beschäftigen und meine persönliche Glaubensüberzeugung dazu teilen.
Das Thema des Partikulargerichts, des Fegefeuers und der Läuterung ist innerhalb der Christenheit stark umstritten. Während die einen diese Konzepte klar und deutlich aus der Bibel ableiten, argumentiert die Gegenseite, dass es sich dabei um Fehlinterpretationen handelt, und lehnt sie als unchristlich ab. Wer letztendlich recht hat, wird sich sicherlich noch zeigen. Dennoch scheint die pro-Argumentation in dieser Debatte als wahrscheinlicher zu sein, was ich in diesem Blogbeitrag gerne mal aufzeigen möchte.
Um was geht es beim Partikulargerichts, Fegefeuer und der Läuterung?
Um das Thema mal ganz grob und allgemein zusammenzufassen, geht es in der Lehre darum, das davon ausgegangen wird, dass jede Seele nach dem Tod vor einem Gericht, das Partikulargericht, tritt.
Hier wartet der Erzengel Michael mit einer Seelenwaage, um die Lebensführung und Taten des Verstorbenen zu bewerten. Es werden drei mögliche Urteile gefällt: Hölle, Fegefeuer oder Himmel.
Das Fegefeuer hat den Zweck der Läuterung, in dem kleinere anhaftende Sünden durch reinigendes Feuer abgebrannt werden müssen, um schließlich in den Himmel eintreten zu können. Es ist vergleichbar mit einer vorübergehenden Züchtigung, die nicht ewig andauert. Dagegen steht die Hölle, die im Rahmen des Zeitzyklus ewige Verdammnis und unaufhörliches Leid für jene bereithält, die sich aus Überzeugung gegen Gott und das Himmelreich entschieden haben. Der Himmel hingegen repräsentiert ein unsterbliches, sorgloses Leben in Liebe, Frieden und Harmonie bei Gott.
Das Argument dazu: Bei Gott kann nicht die kleinste Sünde bestehen, daher muß man vorher gereinigt werden, um ins Himmelreich überzutreten. – In etwa so hatte man es früher im römisch-katholischen Schulunterricht erklärt bekommen.
Interessant ist nun, auf welchen biblischen Grundlagen dieses Konzept beruht. Es ist natürlich richtig, dass die christliche Lehre, ebenso wie die Bibel selbst, offenbart, dass nicht alle Lehren schriftlich festgehalten wurden und der Großteil aus mündlichen Überlieferungen stammt. Dennoch wäre ein kleiner biblischer Hinweis hilfreich, um ein solches Konzept als realistisch zu erklären. Tatsächlich gibt es jedoch biblische Hinweise, und meiner Meinung nach sind diese auch unmissverständlich.
1.Korinther 3,13-15 Das Werk eines jeden wird offenbar werden; denn der Tag wird es sichtbar machen, weil er sich mit Feuer offenbart. Und wie das Werk eines jeden beschaffen ist, wird das Feuer prüfen. Hält das Werk stand, das er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch.
In diesen Versen lässt sich ein Fegefeuer durchaus erkennen, auch wenn die Idee einer Läuterung nicht ausdrücklich erwähnt wird. – Schlechte Werke werden verbrennen, während gute Werke dem Feuer standhalten und belohnt werden. Es heißt zudem, dass man zwar gerettet wird, jedoch durch das Feuer hindurchgehen muss.
Es ist wichtig zu wissen, dass Feuer seit jeher als Symbol für Reinigung gilt. Es steht für Läuterung und Neuanfang. In diesem Sinne machen die Verse durchaus Sinn. Das was Paulus hier beschreibt ist eindeutig die Beschreibung und das Konzept eines Fegefeuers.
Interessant ist auch, wie eine nicht gläubige Person den letzten Satz aus 1. Korinther 3,15 objektiv interpretiert. Nicht wenige verstehen darunter, dass man durch das Feuer hindurchgehen muss, um gerettet zu werden. Im Klartext bedeutet das: Wenn man nicht durch eine bestimmte Konfession indoktriniert ist und den Satz so liest, wie er in der Bibel steht, erkennt man genau das, was ein Fegefeuer beschreibt. Diesen Fakt, sollte man nicht achtlos ignorieren.
Nun behaupten diejenigen, die sich gegen ein Fegefeuer aussprechen, das wohl zwei Verse zuvor ganz klar ersichtlich wird, das kein Fegefeuer sondern etwas anderes mit gemeint ist. Schauen wir uns diese Verse einfach mal an …
1.Korinther 3,11-12 Denn einen anderen Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist: Jesus Christus. Ob aber jemand auf dem Grund mit Gold, Silber, kostbaren Steinen, mit Holz, Heu oder Stroh weiterbaut…
Hier wird das Fundament im Glauben an Jesus Christus genannt und ein Gleichnis beschrieben, welches aufzeigt, das es gute Werke und schlechte Werke gibt die im Feuer offenbart werden (Vers 13). Gute Werke werden symbolisch mit Gold, Silber und kostbaren Steinen verglichen, während schlechte Werke für Holz, Heu und Stroh stehen.
Es bleibt daher rätselhaft, wie hier das Konzept eines Fegefeuers dementiert werden kann? Wenn es nur um die Werke allein ginge, müsste man sie mit einer Waage oder einem Maßstab messen, wie es in der Schrift sonst auch üblich ist. Doch in diesem Kontext wird ausdrücklich von „Feuer“ gesprochen, nicht von einer Waage. Es heißt auch: „Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch.“ Also „Er“ der Mensch (Seele) und nicht das Werk allein. Aus 1.Korinther 3,11-12 ein Fegefeuer abzustreiten ergibt also absolut keinen Sinn.
Zur Absicherung und zum Vergleich könnte man zum Beispiel Sprüche 16,11 nennen um zu unterscheiden, das nicht der Mensch (Seele) abgewogen wird, sondern das einzelne Werk. Die gerechte Waage liegt beim Herrn. Und auch Matthäus 7,2 kann genannt werden, wo es um das Maß geht, mit dem man richtet.
Sprüche 16,11 Rechte Waage und Waagschalen sind Sache des HERRN, / sein Werk sind alle Gewichtssteine im Beutel.
Matthäus 7,2 Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden und nach dem Maß, mit dem ihr messt, werdet ihr gemessen werden.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es hier um zwei unterschiedliche Prinzipien geht. Im ersten Korinther 3,11-15 wird beschrieben, dass es beim Gericht eine „Überprüfung“ im und durch Feuer gibt, das gleichzeitig zur „Reinigung“ vor der Rettung dient, indem es die schlechten Werke abbrennt. In Sprüche 16,11 und Matthäus 7,2 hingegen steht allein das Werk im Mittelpunkt, das abgewogen oder bemessen wird. Diese Abwägung und Bemessung erfolgt „vor“ dem Feuer und dient vermutlich dazu, die Dauer und Intensität des Feuers festzulegen.
Es gibt aber noch weitere Hinweise. So wird im Kontext des Fegefeuers auch gerne 2.Makkabäer 12,43-44 genannt. Hier gibt es eine Passage mit Judas Makkabäus, den Anführer der jüdischen Aufständischen gegen die Seleukiden. Dieser spendete 2000 Silberdrachmen und betete für die Toten, da er wußte, das sie Auferstehen und Gericht erfahren müßen.
2.Makkabäer 12,43-44 Er veranstaltete eine Sammlung, an der sich alle beteiligten, und schickte etwa zweitausend Silberdrachmen nach Jerusalem, damit man dort ein Sündopfer darbringe. Damit handelte er sehr schön und edel; denn er dachte an die Auferstehung. Denn hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen auferstehen werden, wäre es überflüssig und sinnlos gewesen, für die Toten zu beten.
Warum streiten manche Christen das Fegefeuer ab?
• Sie sehen das Fegefeuer als Schrecken, statt als Eintrittskarte in den Himmel
• Sie stellen sich einen ungerecht strafenden Gott vor
• Sie glauben nicht an eine unsterbliche Seele
• Sie interpretieren die Schriften für sich anders
• Sie empfinden es als bequemer mit Jesus Kreuzigung eine Art Freifahrtschein zu genießen
Vielleicht verstehen einige das Prinzip dahinter nicht und sehen in einem derartigen Gericht und Fegefeuer einen ungerechten und lieblosen Gott. Manche verbinden damit auch eine zeitliche Hölle oder interpretieren etwas Ähnliches dort hinein.
Eventuell hilft es sich das Prinzip des Fegefeuers wie eine kleine Züchtigung vorzustellen. Ist man als Kind ungezogen und im Fehlverhalten, hilft eine kleine Rute die dann Besserung bewirkt, so wie es biblisch heißt. Diese Maßnahme wäre auch unangenehm, aber nur von sehr kurzer Dauer und endet mit einer Herstellung der Unschuldigkeit und vollständigen Aussöhnung. Im Großen tut Gott das mit dem Fegefeuer. Es befreit uns von der letzten Schuldanhaftung und garantiert uns den Eintritt ins Himmelreich. Es ist also als ein Akt der Liebe zu verstehen, nicht des Zorns. Würde Gott uns nicht lieben und bei sich haben wollen, wären wir ihm gleichgültig und könnten ohne das Angebot des reinigenden Fegefeuers direkt in die Hölle geworfen werden, die keine Gnade mehr bereithält. Es geht also nicht um Strafe, sondern um logische Konsequenz und Erforderlichkeit. Fegefeuer, ein Akt der Liebe nicht des Zorns.
Einige denken tatsächlich, Liebe und Gnade seien gleichbedeutend mit einer Konsequenzlosigkeit. Dieses Konzept steht jedoch so nirgends in der Bibel geschrieben. Wäre es anders, bräuchte es keine Lebensbücher, in denen gute und schlechte Taten aufgelistet sind. Auch hätte der Sündenfall wohl nie stattgefunden.
Jetzt ist es so, das einige Brüder und Schwestern denken, das unser Herr Jesus den Preis für unsere Sünden am Kreuz bezahlt hat, was ja auch stimmt und eindeutig so in der Bibel steht. Daher argumentieren sie, das sie weder ein gutes Werk im Leben benötigen und schon gar kein Fegefeuer, da sonst die Kreuzigung keinen Nutzen gehabt hätte. – Na ja, sie scheinen die Tiefe nicht zu verstehen, was Jesus eigentlich damit gemacht hat. Die Bibel offenbart es uns …
1.Petrus 2,24 Der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.
Es stimmt! Jesus, unser Herr ist für unsere Sünden und Verfehlungen am Kreuz gestorben und hat mit seinem Blut den Preis für uns bezahlt, denn er war unschuldig. Es lohnt sich nun, die Frage zu stellen, was Jesus durch sein Blut für uns erreicht hat.
Matthäus 26,28 Das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.
Epheser 1,7 In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade
Unser Herr Jesus hat mit seinem Blut „
Vergebung“ für uns erreicht. Aber bedeutet das, dass die Sünden vergessen sind und auch eine Büßung in Form einer Wiedergutmachung entfallen ist?
Micha 7,19 Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.
Hier finden wir die Bestätigung, dass der Herr uns nicht nur unsere Sünden vergeben hat, sondern sie auch vergisst, wenn wir das Opfer Jesu annehmen und an ihn glauben. Heiß das jetzt nicht auch, das Jesus uns von den Sünden befreit hat? Was sagt Jesus selbst dazu?
Matthäus 10,34 Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
Matthäus 24,12-13 Und weil die Missachtung des Gesetzes überhandnehmen wird, wird die Liebe in vielen erkalten. Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird selig.
Das bedeutet also, dass Jesus die Sünde nicht aus der Welt genommen hat. Sie ist mit der Kreuzigung nicht verschwunden oder unbedeutend geworden, im Gegenteil, sie wird, wie es heißt, mehr und bis zum letzten Tag andauern.
Was heißt das für uns Christen? Unsere Sünden sind vergeben und vergessen, aber die Befreiung der Büßung, Wiedergutmachung betrifft uns natürlich noch. Es gibt keinen Vers in der Bibel, aus dem explizit hervorgeht, dass wir von einer Büßung und Umkehr befreit sind. Eher im Gegenteil, es heißt Gott richtet gerecht. Wären wir sündlos und bräuchten keine Wiedergutmachung, gäbe es auch kein Gericht.
Jesus hat mit seinem Opfer und Blut die Sünde entwertet, sodass alle die an ihm Glauben und Umkehren das Geschenk der Gnade empfangen. Die Sünde selbst jedoch ist immer noch tief in uns und wir wissen, das bei Gott keine Sünde sein kann, daher ist das Fegefeuer die letzte Notwendigkeit um ins Himmelreich eintreten zu können. – Es ist wie mit einem verschmutzten Grubenarbeiter, der bevor er vor dem König tritt eine gründliche Dusche benötigt.
Das Fegefeuer ist also keineswegs etwas Negatives und definitiv mit dem Opfertod Jesus vereinbar.
Natürlich gib es noch mehr Verse in der Bibel die ein Fegefeuer, ein Purgatorium beschreiben. So könnte man zum Beispiel Lukas 16,23-24 nennen.
Lukas 16,23-24 In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von Weitem Abraham und Lazarus in seinem Schoß. Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus; er soll die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer.
Einige sehr weltliche orientierte und bibelkritische Christen behandeln diesen Vers lediglich metaphorisch. Andere sehen hier einen Einblick in die Hölle. Theologisch ist beides als falsch zu betrachten. Erstens sollte man an Gottes Wort in der Bibel festhalten und selbstverständlich die Bibel wortwörtlich auslegen und zweitens sind jene, die in diesem Vers die Hölle erkennen auf einem Übersetzungsfehler hereingefallen.
Der Ort, um dem es sich in diesen Versen handelt, ist nicht die Hölle, sondern das Totenreich (Scheol) im Inneren der Erde. Denn erstens befindet sich die Hölle nicht auf der Erde, sondern ist ein Ort im Jenseits. Zweitens ist die Hölle noch unbesetzt. Drittens, warum sollte Abraham und Lazarus nahe der Hölle sein? Das ergibt doch alles keinen Sinn und steht auch nirgends in der Bibel. Wir sollten daher nur an das glauben, was auch in der Bibel steht.
Historische Quellen und Zeugnisse
Jetzt gibt es die Aussage, dass das Konzept des Fegefeuers nicht von Gott, sondern nur von katholischen Kirchenvätern gelehrt wurde. Diese Behauptung ist jedoch so nicht haltbar, denn tatsächlich lässt sich das Konzept des Fegefeuers in wesentlich älteren Schriften nachweisen, die vor den abrahamitischen Religionen entstanden sind. Es ist historisch also nicht korrekt, der katholischen Kirche ein Alleinstellungsmerkmal in Bezug auf dieses Konzept zuzuschreiben.
Ein Beispiel hierfür ist der Begriff „Naraka“ aus dem Sanātana Dharma (Hinduismus), der den Ort der Läuterung und Qualen beschreibt, an dem die Seelen gereinigt werden. Man sollte nicht vergessen, dass diese Lehren auf mündlichen Überlieferungen basieren, deren Ursprung mehr als 5000 Jahre v. Chr. zurückreicht, zu einem Zeitpunkt, als an die abrahamitischen Religionen noch nicht zu denken war und doch wurde sie prophezeit.
Letztendlich sollte jeder das glauben dürfen, was ihn näher zu Gott bringt oder ihm hilft, Gott besser zu verstehen. Es ist klar, dass niemand im Besitz der absoluten Wahrheit und Erkenntnis ist. Dennoch erscheint mir die Vorstellung eines Gottes, der kein Fegefeuer oder Partikulargericht zulässt, erschreckend. Mein Gottesbild ist von einem gerechten Gott geprägt, dem es am Herzen liegt, so viele Menschen wie möglich zu retten. Für mich ist das Fegefeuer eine logische Schlussfolgerung und eine Überzeugung, die sich aus der Überlieferung und den Hinweisen in der Bibel ableiten lässt.
Manche fragen sich vielleicht, warum oder wie ein Freikirchler an das Fegefeuer glauben kann. Die Antwort ist einfach: Wo die römisch-katholische Kirche richtig liegt, liegt sie auch richtig. Für mich bedeutet das, dass ich eine Lehre annehme, sobald sie sich klar aus der Bibel ergibt – sei es direkt, angedeutet oder durch logische Schlussfolgerungen. Dabei ist es für mich egal, ob ich Freikirchler bin oder nicht. Ein Fegefeuer macht für mich einfach mehr Sinn, aber jeder muß das selbst für sich entscheiden woran er glauben möchte.
Als Freund der philosophischen Theologie habe ich mich intensiv mit dem Thema Fegefeuer im Kontext der Soteriologie beschäftigt. Für mich persönlich besteht kein Zweifel daran, dass uns nach dem Tod ein Fegefeuer erwartet, das uns vollkommen reinigen wird. Eine tolle Sache! Die genannten Bibelverse sprechen für sich, und so bin ich absolut überzeugt.
Das Fegefeuer gehört daher fest zu meinem Glauben.
Lieben Gruß und Gottes Segen,
Marco
Verfasst: Gestern, 17:03 Uhr