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Marco-1977s Blog

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Gekreuzigt zur Rettung der Menschen oder der Schöpfung?

Gekreuzigt zur Rettung der Menschen oder der Schöpfung? - heilsplan,bibelvers,exegese,sühnetod Gekreuzigt zur Rettung der Menschen oder der Schöpfung?
Hebräer 2,16 und das Abweichen von der ursprünglichen Lehre

In diesem Beitrag soll aufgezeigt werden, wie ein einzelnes Wort, das mehrere Übersetzungsmöglichkeiten zulässt, dazu führen kann, dass sich aus einem biblischen Text unterschiedliche, ja sogar gegensätzliche theologische Lehrmeinungen entwickeln.

Im Zentrum steht das griechische Wort ἐπιλαμβάνεται (epilambanetai), das in Hebräer 2,16 verwendet wird. Dieses Verb kann im Deutschen mit „ergreifen“, „sich annehmen“, „beistehen“, aber auch mit „angreifen“ übersetzt werden. Solche semantischen Spannbreiten sind im Griechischen nicht ungewöhnlich, weshalb eine sorgfältige Kontextanalyse unerlässlich ist.

Gerade in Hebräer 2,16 zeigt sich, wie entscheidend diese Kontextualisierung ist. Wird sie vernachlässigt, kann sich aus der Übersetzung desselben Wortes eine grundlegend andere Theologie ergeben.

Hebräer 2,16 Denn er nimmt sich nicht der Engel an, sondern der Kinder Abrahams nimmt er sich an. (Lut)


In der etablierten katholischen Exegese wurde dieser Vers traditionell so verstanden, dass mit „er“ Jesus Christus gemeint ist. Entsprechend würde der Vers aussagen, dass Christus nicht die Engel, sondern die Menschen – hier als „Kinder Abrahams“ bezeichnet – erlöst.

Das griechische epilambanetai lässt jedoch, wie erwähnt, auch die Übersetzung „angreifen“ zu. Unter Berücksichtigung des unmittelbaren Kontextes kann daher argumentiert werden, dass sich das Subjekt nicht auf Christus, sondern auf den Teufel bezieht, der bereits in Hebräer 2,14 ausdrücklich genannt wird.

Demnach ergibt sich folgende Lesart: Denn er (der Teufel) greift nicht die Engel an, sondern die Kinder Abrahams.

Im Zusammenhang und im Kontext gelesen entfaltet sich der Text folgendermaßen:

Hebräer 2,14-16 Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hatte er gleichermaßen daran Anteil, auf dass er durch den Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten. Denn er (der Teufel) greift nicht die Engel an, sondern die Kinder Abrahams.(Lut)


Aus dieser Perspektive erscheint es als kontextwidrig, in Vers 16 plötzlich wieder Christus als Subjekt einzusetzen. Vielmehr bleibt die Referenz beim zuvor genannten Teufel, dessen Wirken sich primär gegen den Menschen richtet und nicht gegen die Engel.

Diese Deutung wird durch andere neutestamentliche Aussagen gestützt, etwa:

Epheser 6,11 Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels 


Die Argumentationslinie ist damit klar: Der Teufel besitzt (bzw. besaß) Macht über den Tod; der Mensch lebte in Furcht und Knechtschaft; Christus tritt als Befreier auf, um diese Herrschaft zu überwinden. In diesem Zusammenhang ist es konsistent zu sagen, dass der Teufel den Menschen angreift – nicht jedoch die Engel.

Ein zukünftiger Kampf zwischen dem Teufel und den Engeln wird hingegen erst in der eschatologischen Perspektive beschrieben:

Offenbarung 12,7 Und es entbrannte ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen (Teufel). Und der Drache kämpfte und seine Engel.


Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, wie entscheidend der Kontext für das richtige Verständnis eines Textes ist. Eine ungenaue oder vorschnelle Lesart kann weitreichende theologische Konsequenzen haben. Würde man an der traditionellen Deutung festhalten, ergäbe sich daraus die Lehre, dass Christus ausschließlich für die Sünden der Menschen gestorben sei – nicht jedoch für andere Teile der Schöpfung.

Demgegenüber bezeugen andere biblische Stellen eine umfassendere Heilsdimension:

1. Johannes 2,2 sowie Kolosser 1,19–20 machen deutlich, dass das Erlösungswerk Christi eine kosmische Reichweite besitzt und nicht auf die Menschheit beschränkt ist, sondern die gesamte Schöpfung umfasst.

Die Frage, warum sich dennoch die weniger kontextnahe Lesart historisch durchgesetzt hat, lässt sich auch kirchengeschichtlich erklären. In Zeiten, in denen die Auslegung der Schrift primär der kirchlichen Autorität vorbehalten war, wurde die tradierte Interpretation selten hinterfragt. Erst mit der Reformation sowie späteren freikirchlichen Bewegungen wurde die Bibel breiter zugänglich und verstärkt einer eigenständigen Prüfung unterzogen.

Dies führte zu neuen theologischen Einsichten, die teilweise deutlich von der traditionellen Lehrmeinung abweichen. Daraus lässt sich die grundsätzliche Erkenntnis ableiten, dass weder Mehrheit noch Tradition notwendigerweise Garant für eine zutreffende Auslegung sind.


Philosophisch-theologisch lässt sich zudem vermuten, dass bestimmte Deutungen auch durch zeitgeschichtliche Strömungen beeinflusst wurden. Im Zuge von Säkularisierungsprozessen sowie Tendenzen zur Entmythologisierung des Glaubens erschien es möglicherweise anschlussfähiger, das Erlösungswerk Christi primär anthropologisch – also auf den Menschen bezogen – zu interpretieren, anstatt seine universale Dimension zu betonen. Dabei geraten jedoch klare Aussagen wie in 1. Johannes 2,2 leicht in den Hintergrund.

Zusammenfassung:

In Hebräer 2,16 ist mit „er“ nach dieser Auslegung nicht Christus gemeint, sondern – im Einklang mit dem unmittelbaren Kontext – der Teufel, der den Menschen angreift und nicht die Engel.

Zugleich zeigt dieses Beispiel, dass es im Rahmen philosophischer Theologie nicht nur legitim, sondern notwendig ist, auch traditionelle orthodoxe Positionen kritisch zu prüfen, um der Wahrheit näherzukommen.

LG. Marco :-)


Verfasst: 21.04.2026, 14:51 Uhr

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