In diesem Blogbeitrag möchte ich mich mit dem Begriff und dem Thema „Beziehungsunfähigkeit“ auseinandersetzen. Inspiriert wurde ich dazu von einem Bruder hier auf HP, der mich ermutigte, die Thematik einmal aus einer anderen Perspektive und auf einer anderen Ebene zu betrachten.
Zunächst einmal sollte man vielleicht klären, was der Begriff eigentlich genau bedeutet. Häufig wird er inflationär verwendet, um auszudrücken, dass man bisher bei der Partnerwahl einfach Pech hatte. Doch ich möchte hier etwas tiefer in die Definition eintauchen.
Was bedeutet eigentlich „Unfähigkeit“? Was macht einen Menschen unfähig, eine Beziehung zu führen? Und vor allem: Wie kann man diese Unfähigkeit überwinden? Im Kontext einer Beziehung wird schnell deutlich, dass es sich dabei meist nicht um eine unabänderliche Unfähigkeit handelt.
Wenn man in den 2000er Jahren einen Mathematik- oder Philosophiestudenten fragte, ob es so etwas wie Beziehungsunfähigkeit gebe, hätten nicht wenige wahrscheinlich mit Nein geantwortet. Sie hätten argumentiert, dass sich Liebe und Beziehungsfähigkeit mathematisch und mit Logik berechnen lassen. Liebe ist Mathematik! - Dieses Argument erscheint auf den ersten Blick plausibel, denn selbst Kleinkinder verstehen die Grundlagen einer solchen Formel. Sie ist einfach: Wenn bestimmte Parameter zusammenpassen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Beziehung gelingt, einfach höher. Passen die Parameter jedoch nicht zusammen, etwa weil Divergenzen zu groß sind, sinkt die Chance. Vereinfacht gesagt: Wenn bei beiden Partnern Interessen, Werte und vielleicht sogar Hobbys übereinstimmen und die gemeinsamen Aktivitäten dadurch steigen, ist die Beziehung eher erfolgreich als wenn nicht. Gegensätze können zwar auch anziehen, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. Aus dieser mathematischen und philosophischen Perspektive gibt es also keine statische Beziehungsunfähigkeit. Betonung liegt auf statisch.
Heute 25 Jahre später würde eine künstliche Intelligenz ähnliche Ergebnisse liefern und die Tech-Eliten träumen schon jetzt von einer Rationalisierung der Liebe in dem sie in Silicon Valley an der Menschheit 2.0 tüfteln. (Stichwort: Transhumanismus).
Aus dieser Perspektive könnte man eine Beziehungsunfähigkeit vermuten, die darin besteht, dass der Romantisierung der Liebe mehr Bedeutung beigemessen wird als der nüchternen Präzision, die die Chancen auf eine harmonische Beziehung deutlich erhöhen würde. Man könnte sagen, es sei "zu viel Herz, zu wenig Hirn" – eine Sichtweise, die vermutlich argumentiert, dass man den Jackpot auf Kosten der Traditionen aufgibt. Deppert? Doch wann war der Mensch je von Intelligenz beseelt? Die Dummheit fing in Eden an und wird auch an der Himmelpforte nicht enden.
Würde man jedoch in den 50er oder 60er Jahren jemanden fragen, ob es so etwas wie Beziehungsunfähigkeit gibt, hätte dieser mit der guten alten Bauernweisheit wahrscheinlich mit einem klaren „Ja“ geantwortet. Er hätte erklärt, dass zwar zu jedem Topf ein Deckel passt, aber eine Beziehung vom Herzen gepflegt werden will. Sie sei wie ein guter Wein, der mit dem Reifen an Qualität gewinnt. Hätte man diese Menschen damals mit der Idee von KI Künstlicher Intelligenz konfrontiert, die in der Lage ist, Beziehungsparameter zu berechnen, hätten sie einen für verrückt erklärt und mit der Heugabel vertrieben.
Gut, also gibt es wie so meist in einer dualen Welt zwei Polaritäten. Welche hat nun recht oder welche Erkenntnis ist die bessere?
Ich muss gestehen, dass mich die Frage zunächst überfordert hat. Denn ich erkenne sowohl in beiden Aspekten einen Nutzen als auch eine Problematik. Daher komme ich zu dem Schluss, dass wie so oft die goldene Mitte die klügste Lösung ist. Das bedeutet, dass ein Parameterabgleich durchaus sinnvoll ist und die Erfolgsaussichten erheblich steigert, wenn eine Beziehung funktionieren soll. Allerdings reicht das allein nicht aus. Es braucht auch Herzenspflege und zwischenmenschliche Wärme, die sich nun mal nicht digital erzeugen lässt und die unser Menschsein ausmacht.
Um mir selbst eine mögliche Beziehungsunfähigkeit zu hinterfragen, habe ich einfach mal darüber sinniert ... Dabei kann ich mit Stolz behaupten, in meinem bisherigen Leben nie fremdgegangen zu sein – obwohl genügend Situationen dazu bestanden hätten. Tatsächlich war ich nie untreu, habe meinen bisherigen Partnerinnen niemals etwas Böses angetan und war oftmals sogar zu gutmütig. Andererseits wurde ich selbst häufig betrogen und oft eiskalt abserviert. Ich denke, heute stelle ich also eine Ausnahme in der Gesellschaft dar: Kein Bad Boy, sondern ein eher antiquierter Philosoph, der scheinbar nicht mehr ganz in die heutige Zeit passt. Macht mich das beziehungsunfähig? Vielleicht ist es ja auch sprichwörtlich das Karma, das meine wilden Jugendjahre, in denen ich noch ein Bad Boy war, ausgleicht. Wer kann das schon genau wissen?
Ich selbst würde mich also nicht als beziehungsunfähig bezeichnen. Dafür bin ich zu optimistisch und habe auch das nötige Gottvertrauen. Mir ist bewusst, dass ich noch Baustellen habe – doch das teile ich mit allen anderen, die alleinstehend sind. Ohne diese Herausforderungen wären sie ja auch nicht freiwillig ungebunden und alleinstehend. Ich kenne meinen Wert und bin nicht verzweifelt, weil ich weiß, dass Gott früher oder später die richtige Partnerin an meine Seite stellen wird. Beziehungsunfähigkeit? No Way!
Was sagt den Gott eigentlich dazu?
Wenn wir jetzt mal das polyamore Fundament als Spiegelung der himmlischen Ordnung und Grundprinzipien außer acht lassen und uns nur auf den irdischen Zeitzyklus beschränken nach dem Sündenfall, ist mit der Sünde offensichtlich die monogame Bestimmung für uns vorgesehen.
Ich denke, das Wort Gottes in der Bibel zeigt auf, wie eine Beziehung in einer nicht perfekten und sündhaften Welt funktionieren kann. Gott hat uns gezeigt, wie ein Mann und eine Frau in einer Beziehung leben sollen, und er hat uns angeboten, ihn stets im Gebet um Hilfe zu bitten, wenn Herausforderungen größer werden. Er lehrt uns, Vertrauen in seine Herrlichkeit zu haben. Für Gott ist keine Beziehungsunfähigkeit vorgesehen; vielmehr sind es wir selbst, die nicht auf die biblisch vorgegebene Ordnung hören, was zu Beziehungsproblemen führt.
Es ist interessant zu beobachten, wie Menschen, die in den 1920er Jahren geboren wurden, oft bis ins hohe Alter verheiratet blieben. Diese Generation hat viele Höhen und Tiefen durchlebt. Ich selbst kann das durch meinen Großvater bezeugen, der in diesem Jahr 100 Jahre alt wird.
Matthäus 19,6 Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
Epheser 5,31 Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein.
Kommentare zu diesem Blogeintrag
> Was macht einen Menschen unfähig, eine Beziehung zu führen?
Ich habe eine Frau kennen gelernt, die in ihrer Kindheit keine Liebe erfahren hat. Heute ist sie nicht in der Lage Liebe zu erkennen und hat eine Reihe Angststörungen. Sie ist ein sehr wertvoller Mensch und beruflich erfolgreich. Ihr Schicksal und ihre "Unfähigkeit" bewegt mich sehr.
> Und vor allem: Wie kann man diese Unfähigkeit überwinden?
Dafür suche ich schon lange eine Lösung. Aber eines steht fest: Der/die Betroffene muss sich seiner/ihrer Situation bewusst sein und aktiv dabei mitwirken. Wenn man dann hört "Ich bin mit meinem Leben zufrieden.", was dann?
@GMen Hi, danke für dein Kommentar.
Die Frau, von der du schreibst, ist jedoch nicht von Natur aus in diese „Unfähigkeit“ im Kontext von Liebe und Beziehung geraten, um sie zu erkennen. Damit meinte ich die sogenannte statische Beziehungsunfähigkeit. Das bedeutet, dass hier eine andere Ebene vorliegt, die durch äußere Einwirkungen entstanden ist. Ich differenziere da also ein wenig.
Ich stimme dir zu, dass in diesem Fall der/die Betroffene mitwirken muss – und vor allem auch aus sich heraus den Wunsch nach Veränderung entwickeln sollte. Wenn dann gesagt wird, man sei zufrieden, bleiben im Grunde nur zwei Optionen: Entweder man manipuliert sich selbst psychologisch, um besser mit der Situation zurechtzukommen, oder man fühlt sich tatsächlich wohl. In beiden Fällen ist es für jemand anderen, der die Situation anders einschätzt, schwierig, eine Lösung zu finden.
In meinem Beitrag ging es mir vor allem um die sogenannte statische Beziehungsunfähigkeit, die häufig argumentiert wird, wenn man mehrere Enttäuschungen erlebt hat. Ich bin der Meinung, dass, wenn man sich an die biblischen Vorgaben hält, eigentlich keine solche Beziehungsunfähigkeit entstehen dürfte, da Gott diese ja nicht vorgesehen hat.
Lieben Gruß und Gottes Segen,
Marco
Danke Marco, für dieses wichtige Thema - im besonderen der Heilung der Seele (Gefühle), in diesem Zusammenhang.
Weil ich in meinen früheren Jahren selbst mich mit dem Problem der Seelenheilung auseinandersetzen mußte, verweise gern auf den Blog von mir vom März 2025:
„Heilung der Persönlichkeit“
Nicht nur Unreife und Entwicklungsstörungen hemmen unser Leben und Personsein, sondern auch Verwundungen und Krankheiten der Seele. Was für unseren Körper die Organe sind, sind für unsere Seele die Gefühle. Sie können wie ein guter Organismus funktionieren, aber sie können auch durcheinander geraten und sogar sterben. ...
(Wilhard Becker, „Dem Leben eine Perspektive geben“, 1993)
https://www.himmlisch-plaudern.de/mpeace24s-blog/heilung-der-persoenlichkeit.htm
@mpeace24 Nabend, danke für deinen Kommentar ...
Das Thema hat mich auch sofort angesprochen, mir selbst darüber mal Gedanken zu machen. Viele Begriffe werde oft einfach so benutzt, ohne bei ihnen in die Tiefe zu gehen und daher war es keine große Überraschung, das man auch biblisch etwas dazu findet.
Danke für den Link, ich habe mir deinen Beitrag mit Interesse durchgelesen und mir auch ein paar Gedanken dazu gemacht. Das, was du über lähmende Ängste geschrieben hast, kann ich absolut nachvollziehen und ich stimmt auch diese traumatischen Gegebenheiten lähmen und verhärten.
Doch wo würdest du die Quelle sehen? Einfach nur die Akzeptanz des Vorhandenseins ist mir nicht tief genug. Was glaubst du wie im Kontext einer präexistenten Seele und einer teilweisen Prädestination Gottes die Beeinflussbarkeit liegt in Bezug auf Deutung und wahrnehmbareren unschuldigem Leid? Was ist wenn alles genauso vorherbestimmt ist?
LG. Marco
Danke Marco für dein Nachsinnen - ja eigentlich würde ich mich auch unter den „Seelentauchern“ verorten, aber die Annahme der Präexistenz der Seele gehört nicht zu meinem Glaubenskanon, außer der Präexistenz Jesus Christus. Die Annahme einer vorgeburtlichen Existenz der Seele würde ich eher dem Bereich der Esoterik bzw. Reinkarnation zuordnen.
Vor allem aber, der die Liebe zu Jesus Christus und Gott Vater als sein Herzensanliegen in den Mittelpunkt seines Lebens gestellt hat und seinen Frieden höher achtet als alle menschliche Vernunft (Phil 4:7), wäre gut beraten, sich zu fragen, was würde Jesus dazu sagen, was sagt das Wort Gottes zu diesem meinem Gedankengang oder werde ich möglicherweise auf Irrwege geführt.
4 denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig durch Gott zur Zerstörung von Festungen,
5 sodass wir Vernunftschlüsse zerstören und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und jeden Gedanken gefangen nehmen zum Gehorsam gegen Christus,...(2. Kor 10:4-5, Schlachter)
In dem heutigen Blog „Vergangenheitsbewältigung“ aus dem Internet finde ich es noch einmal gut auf den Punkt gebracht. Denn wirkliche Heilung der Seele geschieht in der Hingabe zu Christus und Vergebung meiner Schuldiger. Natürlich ist auch das ein Prozess, der auch Jahre in Anspruch nehmen kann, bis eine tiefgründige Heilung eintritt aber ungeahnte geistliche Früchte wachsen läßt.
Sei herzlich gegrüßt und noch viele christuszentrische, heilsame Gedanken auf dem Weg der Nachfolge!