In diesem Beitrag möchte ich mal erörtern, weshalb ich die Bibel so auslege, wie ich sie auslege und wie es zu der Entscheidung kam.
Auslegung im Sinne der Worttreue und Interpretation des Wortes sind zwei unterschiedliche, doch miteinander verbundene Dinge. Während die Worttreue den Anspruch verfolgt, den ursprünglichen Text möglichst genau zu bewahren und sich daran zu halten, geht es bei der Interpretation um das Verständnis und die Deutung des Textinhalts im jeweiligen Kontext selbst.
Als ich mich zu Beginn erstmals intensiver mit der Bibel beschäftigte, wurde mir sehr schnell klar, dass ich mich für eine bestimmte Auslegungsweise entscheiden muss. Entweder ich akzeptiere, dass die Bibel das Wort Gottes enthält und vertraue darauf auch, oder ich setze mein Vertrauen auf den Wissensstand der vermeintlichen Wissenschaften und die gesellschaftlich etablierten Normen der modernen Zeit.
Ich bin eigentlich kein Freund von Schwarz-Weiß-Denken und der Haltung „entweder oder“, da ich allgemein der Meinung bin, dass es auch zwischen Nuancen gibt, die einem im Leben begegnen. Doch im Falle der Bibel und des Wortes Gottes ist die Bedeutung dieser Entscheidung um einiges gewichtiger. Hier bewegt man sich auf einem fundamentalen und höchst wertvollen Grund, dessen Bedeutung kaum zu übertreffen ist. Wenn hier nun die Gegensätze dermaßen weit auseinanderliegen, muß man sich halt dem natürlichen Gesetz der Dualität beugen und sich entscheiden, worauf man sein Vertrauen setzt.
Um dies zu konkretisieren: Wenn die Bibel das Wort Gottes enthält und Gott allmächtig sowie unfehlbar ist, dann ist dieses Wort nach meiner Überzeugung gewichtiger und wahrer als menschliche Aussagen, die von der Natur der Menschlichkeit und ihrer Fabilität geprägt sind. Aus dieser Prämisse heraus ist für einen gläubigen Christen allein die Logik überzeugend, an Gott und sein Wort zu glauben und zu vertrauen.
Ich habe für mich die letzten Zweifel so lösen können, das ich schließlich die Wahrscheinlichkeiten zwischen den Gegensätzen abgewogen habe, die zu meiner Erkenntnis und Überzeugung geführt haben.
Natürlich bleibt es eine Glaubens- und Vertrauensfrage, die sich nicht pauschalieren lässt. Dennoch erscheint mir aus einer objektiven Perspektive betrachtet, dass die Vorstellung einer göttlichen Schöpfung in sieben Tagen und seines übergeordneten Masterplans wesentlich sinnvoller und plausibler ist als die von Menschen konstruierte Evolutionstheorie mit Urknall und einer Abstammungsgeschichte vom Affen. Für mich persönlich klingt die göttliche Schöpfung einfach
überzeugender.
Dabei geht es natürlich nicht nur um die Gegensätze zwischen Kreationismus und Evolution, sondern auch um die Auseinandersetzung mit anderen wissenschaftlichen und theologischen Positionen, die im Vergleich zur biblischen Aussage stehen.
Der Versuch nun beides miteinander zu vereinbaren zu wollen, also Bibel und heutiges Wissen, scheitert spätestens an der Allmachtsfrage Gottes, der uns Menschen gegenüber höher gewichtet ist und Gottes Wort in der Bibel deshalb von ganz alleine mehr Hoheit und Wahrheit besitzt als das, was wir Menschen hervorbringen. (letzte Wahrheit ist Gott)
Am Ende muß das natürlich jeder selbst für sich entscheiden. Für mich stand nach dieser Erkenntnis jedenfalls fest, für welche Position ich mich entscheide und wem ich mehr vertraue.
Von der Auslegung her und mit dieser Erkenntnis und aufgebauten Vertrauen lege ich die Bibel, wie es eigentlich auch sein sollte, wortwörtlich aus und betrachte sie dementsprechend auch als verbindliche Richtschnur und Orientierungshilfe fürs Leben. Vom Verständnis her ist die Bibel für mich nicht das direkt diktierte Wort Gottes, sondern erkenne vielmehr, das sie im Kern das übertragende Wort Gottes enthält, welches unabänderlich und zeitlos Gültigkeit besitzt, bezieht man die vorliegende Omnipotenz mit ein.
Die Idee, den Bibeltext an die gegenwärtige Zeit anzupassen und auszulegen oder seine Gültigkeit als veraltet abzusprechen, lehne ich daher entschieden ab! Denn nicht Gottes Wort muß sich der Gegenwart anpassen, sondern die Gegenwart muß viel mehr am unabänderlichen Wort Gottes festhalten. Tut man dieses nicht, wird das Wort und somit Gott beliebig und austauschbar.
Natürlich kann man mich mit dieser Einstellung in die fundamentale oder evangelikale Ecke stellen, aber um ehrlich zu sein, interessiert mich der Wille Gottes mehr als irgendwelche Bewertungen und Anfeindungen von Menschen. Daher kann ich damit gut leben und ich stehe ja mit einer wortwörtlichen Auslegung nicht allein da, im Gegenteil, der Kreis bibeltreuer Christen, die Gottes unabänderlichem Wort vertrauen wächst derzeit wieder.
Eigentlich habe ich damit alles gesagt, um zu erklären, weshalb ich mich damals für diese Auslegung entschieden habe. Allerdings möchte ich noch einen anderen Aspekt ansprechen, den ich für erwähnungswert halte.
Oft wird behauptet, dass strenggläubige und bibeltreue Christen zu faul sind oder nicht fähig sind, selbstständig zu denken und deshalb einen Fahrplan fürs Leben in Anspruch nehmen.
Ich verstehe den Kritikpunkt und gebe zu, dass es solche Gruppen durchaus gibt. Ebenso gibt es diejenigen, die unkritisch, naiv und gutgläubig alles übernehmen, was über Generationen weitergegeben wurde, ohne die ursprünglichen Primärquellen zu hinterfragen. All dies ist möglich. Dennoch bin ich der Überzeugung, dass nicht jeder bibeltreue Christ in diese Gruppen eingeordnet werden kann.
Was ist mit denen, die durch eine solche Auslegung einfach Gott vertrauen und dadurch zu einem positiven Alltag im Glauben finden – dank klarer Strukturen und Orientierung? Diese Gläubigen sollten meiner Meinung nach nicht ignoriert werden. Ich zum Beispiel bin durchaus open minded und brauche als Freund der Mystik und philosophischen Theologie sicherlich keine Gebrauchsanweisung für das Leben, nehme aber das Wort Gottes dankend an, um Gottes Willen besser kennenlernen zu dürfen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Entscheidung darüber, wie man die Bibel auslegt und wie viel Priorität man dem Wort Gottes beimisst, liegt letztlich bei jedem Einzelnen. Es ist jedoch wichtig, einander nicht aus dem gemeinsamen Boot zu werfen, in dem wir alle unterwegs sind. Der eine vertraut dem Wort Gottes mehr, der andere weniger. Jeder Mensch bringt seine eigene Erkenntnis und seine Gründe für sein Handeln mit, die seine Überzeugungen leiten.
Römer 12,10 Seid in herzlicher Liebe miteinander verbunden, gegenseitige Achtung soll euer Zusammenleben bestimmen.
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